CARL-SPITZWEG-GYMNASIUM
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DA SPIELT DIE MUSIK: MUSIKUNTERRICHT AN EINER AMERIKANISCHEN HIGH SCHOOL   



Denkt mal kurz an High School Musical: enge Glitzertops, einstudierte Choreographien und Texte über schwerwiegende Problemchen, wie an welchen süßen “boy” man gerne ein “-friend” hinten dran hängen möchte.
So, jetzt vergesst das.
Bitte.
An meiner Schule im Bundesstaat Wyoming (eingequetscht zwischen Montana und Colorado, mit weniger Einwohnern als Kühen und Dauerwind all year long, dude!) gab es etwa 1400 Schüler, Rekord im Staat. Musikunterricht, sei es Band, Orchester oder wie in diesem Beispiel Chor, sind in den USA leistungsorientierte Schulfächer. Und anders als bei uns, wo jeder mit funktionsfähigem Kehlkopf und Lunge Musik belegen muss und vielleicht nach der Schule beim Hartmann reinschneit, ist Chor in den USA ein Wahlfach, für das man benotet wird. Hierbei wird auf Intonation, Tonleiternsingen, Engagement im Unterricht, Anwesenheit auf eigenen Konzerten und auch denen anderer Klassen Wert gelegt.

Einstufung nach Leistung
Zudem muss man zu Beginn des Schuljahres einen Einstufungstest machen und kommt je nach Leistung in den “Mixed Choir” (Anfänger), “Sounds of Thunderwoman” (Achtklässler weiblich), “Sounds of Thunderman” (Achtklässler männlich), “Bella Voce” (Fortgeschrittene, allerdings nur Frauen) und “Chorale” (oder wenn man es Französisch mag: Crème de la Crème, die Profis).
Irgendwie habe ich es in Bella Voce geschafft, was nett war, weil ich die Leute und das Outfit mochte:
Anders als der Gemischte Chor, dessen blaue Bettlaken-Uniform die Sänger ein bisschen wie blasse Gospelgespenster aussehen ließ, trugen wir lange, weiße Kleider mit ebenso langen, offenen, schwarzen Jacken, die uns den Namen „Pinguine” eingebracht hatten.
Statt moderner Popmusik wurden italienische Kunstlieder und traditionelle Volksgesänge geübt, in der jeweiligen Fremdsprache, wenn nötig auch Japanisch oder Hindi. Für meine Klausur hatte ich mir (feige, feige) etwas Deutsches rausgesucht.
Wir fuhren zu Veranstaltungen wie einem Einbürgerungsverfahren, wo wir die Nationalhymne singend dabei sein durften, als ein Dutzend Leute aus aller Welt amerikanische Staatsbürger wurden, was ein ziemlich großes Ding ist. Darunter war übrigens eine Deutsche, die mir später erzählte, dass sie einen Amerikaner geheiratet hatte und nun ihr erstes Kind erwartete.
Camps und Workshopwochenenden wurden angeboten, auf vier Konzerten trällerten wir mit.
Besonders bemerkenswert fand ich, dass wir nicht nur von einer Lehrerin, sondern von zwei unterrichtet wurden, was nützlich für Klavierbegleitung und Gruppenarbeit war.

Komfortzone oder Blick über den Tellerrand?
Allgemein kann man sagen, dass „Nebenfächern” wie Theater, Sport oder eben Musik mehr finanzielle Förderung zur Verfügung gestellt wird und dass sie zudem ernster, differenzierter, intensiver und mit mehr Zeit praktiziert werden, was sich allerdings teilweise negativ auf Anspruch und Leistung in unseren „Kernfächern”, den Sprachen und Naturwissenschaften auswirkt.
Hartmann’s dream? Vielleicht, aber was letztendlich die sinnvollere Schulform ist, kommt meiner Meinung nach auf die jeweilige Person an:
Bei uns bekommt man von allem etwas, in den USA wird erwartet, dass man sich Schwerpunkte setzt und sich richtig ins Zeug legt, was zunächst verlockend aussieht, aber man schaut eher weniger über seinen Tellerrand hinaus und verlässt seine “Komfortzone” eher nicht.
War mir auch wurscht, die Musik hat mich jedenfalls mit meinen Mitschülern verbunden und ich glaube Pink Floyd nicht, weder hier in Deutschland noch da drüben, wenn sie singen: “We don’t need no education…”

Text und Bild Julia Kicherer, 10a


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