Hausaufgaben

1. Sinn und Zweck

Hausaufgaben sind eine unverzichtbare Ergänzung zum schulischen Unterricht. Sie dienen der Wiederholung und Festigung des Schulstoffs und ermöglichen dem Schüler eine Verständniskontrolle. Für die Entwicklung von Konzentration sind Hausaufgaben unerlässlich. Wie soll ein Schüler während einer Schulaufgabe 45 Minuten lang konzentriert arbeiten können, wenn er es von zu Hause nicht gewöhnt ist? Auch das eigenständige, selbstgesteuerte Arbeiten soll durch die Hausaufgaben gefördert werden. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man im Unterricht, geführt vom Lehrer, Lösungen findet oder zu Hause, ganz auf sich alleine gestellt, eine Aufgabe bewältigt. Erschließen der Aufgabeninstruktion (um was geht es?) und Wahl der richtigen Lösungsstrategie (wie gehe ich vor?) sind zwei wichtige Kompetenzen, die im lehrerzentrierten Unterricht kaum trainiert werden können. In der Schulaufgabe werden diese Kompetenzen aber benötigt. Eltern erweisen ihren Kindern also keinen guten Dienst, wenn sie ihnen bei der Erledigung der Hausaufgaben inhaltlich zu viel Hilfestellung geben.

2. Zeitpunkt und Dauer

Es sollte eine Vereinbarung bestehen, wann die Hausaufgaben erledigt werden. Ein tagesphysiologisch günstiger Zeitpunkt ist z.B. eine halbe Stunde nach dem Mittagessen. Je nach individuellen Vorlieben können auch andere Zeiten gewählt werden. Wichtig ist nur, dass der Zeitpunkt nach Möglichkeit nicht von Tag zu Tag unterschiedlich ist. Was die Dauer betrifft, so sind
90 Minuten in der Unterstufe ein guter Richtwert, der nicht deutlich unterschritten werden sollte.

3. Ort

Der Arbeitsplatz sollte zwei Eigenschaften aufweisen: Ruhe (eigenes Zimmer!) und Ordnung (aufgeräumter Schreibtisch, keine Ablenkung durch Zeitschriften etc.).

4. Umfangs- und Zeitplan (optional)

Der Schüler fertigt zu Beginn seiner Hausaufgabensitzung einen Plan an, in dem festgehalten ist, welche Aufgaben er in welcher Reihenfolge erledigt und wie lange er dafür voraussichtlich braucht. Wichtig ist, dass mündlichen Hausaufgaben nicht vernachlässigt werden. Achtung: Mündliche Hausaufgaben (v.a. Hefteinträge wiederholen) werden in vielen Fächern nicht eigens erwähnt – aber vom Lehrer erwartet! Die Zeitschätzung hat zum einen den Zweck, Zeitgefühl zu trainieren (wichtig für die Schulaufgabe), zum anderen bewahrt es in einzelnen Fällen davor, zu lange – zum Nachteil der anderen Hausaufgaben – bei einer Teilaufgabe zu verweilen.

Aufgabe   Zeit   Abw.
M (s) 20 +5
Ek (m) 10 0
E (s) 15 0
NT (m) 10 0
Pause
E (m) 15 -10
NT (s) 10 -5
D(m) 15 +5

 

5. Motivation

Folgender Trick gegen die weit verbreitete Unlust bei Hausaufgaben hat sich an vielen Schülerschreibtischen bewährt: Alle Hausaufgaben, d.h. die dafür notwendigen Bücher und Hefte, werden in sinnvoller Reihenfolge zu einem „Berg“ aufgetürmt. Dieser wird dann nach und nach abgetragen. Was aber tun, wenn Tricks dieser Art nicht helfen? Das häufigste Problem bei den Hausaufgaben ist wohl schlichtweg Unwilligkeit von Seiten der Schüler. Die Eltern werden zu permanenten Antreibern und liefern sich Auseinandersetzungen mit Tochter oder Sohn, die Zeit und Nerven kosten. Je mehr die Eltern drängen, desto weniger sieht das Kind seine Eigenverantwortung. Je weniger Eigeninitiative das Kind wiederum zeigt, um so mehr fühlen sich die Eltern in die Pflicht genommen und drängen umso mehr. Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen, können Eltern und Schüler einen Lernvertrag abschließen.

 

Lernvertrag zwischen Mutter und Sohn für den Zeitraum von 10.01. – 24.01. (2 Wochen)
Der Sohn verpflichtet sich, mit seinen Hausaufgaben jeden Tag um 14:00 ohne Aufforderung seitens der Mutter zu beginnen. Nach dem Mittagessen bleibt die Play-Station unter Verschluss, weil ihn die vom rechtzeitigen Beginn abhält. Ferner verpflichtet er sich zu einer täglichen Arbeitszeit von 90 Minuten. Nach jeder Hausaufgabensitzung muss er seiner Mutter die Resultate vorweisen. Für das Spiel an der Play-Station ist ansonsten die festgelegte Höchstzeit einzuhalten.
Die Mutter verpflichtet sich, den Sohn die Vertragslaufzeit über nicht zu ermahnen und ihn seine Aufgaben in Eigenregie erledigen zu lassen. Auch was das Freizeitverhalten des Sohnes betrifft, hält sie sich mit Kritik und Vorhaltungen („Müsstest du nicht noch etwas für die Schule machen?“) zurück. Lediglich notiert sie, ob und wie oft der Sohn seine Pflichten erfüllt hat.
Konsequenzen bei Erfüllung/Nichterfüllung: Der Sohn kann sich täglich durch Vertragserfüllung maximal zwei Punkte verdienen. Am Ende der Woche erfolgt ein Gespräch zwischen Mutter und Sohn. Abhängig von den gesammelten Punkten wird für die kommende Woche die Höchstzeit für das Spiel an der Playstation neu festgelegt.

 

 

Ein Lernvertrag bietet Kind und Eltern die Chance, eingefahrenen Reaktionsmuster aufzubrechen und neue Einstellungen zu entwickeln. Der Vertrag muss so gestaltet sein, dass er auch dem Kind Vorteile bietet. Hier ist es die Aussicht auf freie Nachmittagsstunden mit „Nicht-Mecker-Garantie“. Der entstandene Freiraum motiviert und begünstigt das Heranreifen von Pflichtbewusstsein. Andererseits ist es wichtig, die Konsequenzen bei Erfüllung/Nichterfüllung von vorne herein klar zu regeln und dann auch ausnahmslos durchzuführen. Eine Mischung aus Strafe bei Nichterfüllung und Belohnung bei Erfüllung ist vernünftig. Die Vertragslaufzeit sollte kurz gehalten werden. Besser ist es, den Vertrag immer wieder zu verlängern und vor jeder Verlängerung evtl. Nachbesserungen mit aufzunehmen.
Hier gibt es einen Vordruck zum Lernvertrag.

6. Mangelnde Selbstständigkeit

. „Ich versteh’ das nicht“ ist für manche Mütter oder Väter ein Signal, dem Kind sofort zu Hilfe zu eilen. Erfolgt diese Hilfe oft, prompt und bedingungslos, lässt sich der abgebildete Teufelkreis kaum mehr abwenden. Geben Sie ihrem Sprössling stattdessen Hilfe zur Selbsthilfe und besprechen sie mit ihm ganz konkret, was er im Problemfall selbst machen kann. Beispiel: „Wenn ich eine Matheaufgabe nicht verstehe, schaue ich zuerst einmal im Schulheft nach, ob dort eine ähnliche Aufgabe behandelt und wie sie gelöst wurde. Hilft mir das nicht weiter, suche ich im Schulbuch im entsprechenden Kapitel nach passenden Aufgaben. Finde ich keine, versuche ich es nach dem Prinzip „trial and error“ und passe bei der Hausaufgabenbesprechung am nächsten Tag um so besser auf.“
Es empfiehlt sich, Handlungsalternativen dieser Art auf einem großen Plakat festzuhalten und über den Schreibtisch zu hängen.

7. Kontrolle durch die Eltern

Achten Sie darauf, dass ihr Kind den zeitlichen Umfang von 90 Minuten einhält und unterbinden Sie äußere Störungen (Telefonanrufe, Geschwister) und Ablenkung (Musik, Comics, Play-Station). Damit sind die zwei wichtigsten Aufgaben genannt, die sie als Eltern leisten können. Es ist nicht hilfreich, wenn Sie Ihr Kind fortwährend antreiben oder ihm bei den Hausaufgaben ständig über die Schulter schauen. Besteht ein begründetes Misstrauen hinsichtlich der Produktivität Ihres Sprösslings, der Qualität oder der Vollständigkeit der gemachten Hausaufgaben, ist eine Vor- und Nachkontrolle sinnvoll: Lassen Sie sich von Ihrem Kind einen Arbeitsplan (siehe 4. Punkt) zeigen und kontrollieren Sie diesen anhand des Stundenplans auf Vollständigkeit. Im Anschluss an die 90 Minuten gehen Sie die Aufgaben anhand des Plans der Reihe nach durch. Mündliche Aufgaben können in der Weise besprochen werden, dass der Schüler etwa einen Hefteintrag in seinen Worten wiedergibt oder Vokabeln abgefragt werden. Ansonsten gilt: Je weniger Kontrolle, desto besser!

8. Hausaufgaben fehlerhaft oder unvollständig

Es sollte nicht zur Gewohnheit werden, dass der Schüler seine Hausaufgaben ohne weitere Überprüfung den Eltern zur Kontrolle vorlegt und diese dann für ihn die Fehler suchen. In der Schulaufgabe ist der Schüler darauf angewiesen, seine Fehler selbst zu erkennen, und dies erfordert einige Übung. Drei Fragen sollte sich Ihr Kind, gerade dann, wenn es bislang zu einem nachlässigen Arbeitsstil neigt, angewöhnen: Ist die Aufgabe, die ich bearbeitet habe,
richtig,
vollständig und
sinnvoll
gelöst? Am besten stehen diese drei Wörter auf einem Plakat, das sich im Blickfeld des Kindes bei der Hausaufgabenerledigung befindet . Die drei Fragen halten dazu an, die Aufgabenstellung genau zu lesen (vollständig?) und das Ergebnis nach Plausibilität zu beurteilen (sinnvoll?). Nehmen Sie also als Eltern schriftliche Hausaufgaben zur Überprüfung nur dann entgegen, wenn Ihr Kind bereits selbst eine Kontrolle durchgeführt hat. Geben Sie, wenn Sie trotzdem noch Mängel finden, möglichst vage Hinweise darauf und lassen Sie den Fehler selbst entdecken. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie diese Art Fehler in Zukunft vermieden werden kann.

9. Hausaufgaben schon nach 30 Minuten erledigt?

90 Minuten verwenden die meisten Schüler der Unterstufe auf die Hausaufgaben. Benötigt ihr Kind deutlich weniger, sollten Sie misstrauisch sein: Nur selten ist dies einem schnellen Arbeitstempo zu verdanken, das nicht auf Kosten der Gründlichkeit geht. In den meisten Fällen wurde dagegen geschludert oder die mündlichen Hausaufgaben wurden nicht ernst genommen. 90 Minuten Lern- und Arbeitszeit sollten – unabhängig vom jeweiligen Aufgabenpensum – eingehalten werden. Hat ein Schüler tatsächlich einmal wenig Hausaufgaben auf, so soll er die restliche Zeit nutzen, um etwa Vokabeln zu wiederholen oder die Vorbereitung auf die nächste Schulaufgabe zu planen.

 

Rainer Ammel, staatl. Schulpsychologe