Die Oberstufentheatergruppe fragt: Wer ist Alice?
Wer sind wir? Was macht uns aus? Und wer bestimmt eigentlich, wie Alice zu sein hat?
Die Schülerinnen des Oberstufentheater-Kurses von Frau Gewald nahmen Lewis Carrolls Roman Alice im Wunderland zum Anlass, ein eigenes Stück zu entwickeln – ein merk‑würdiges, nachdenklich stimmendes und zugleich unterhaltsames Theaterprojekt. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Alice, das versucht, allen Erwartungen gerecht zu werden und sich im Alltag bemüht, alles „richtig“ zu machen. Doch der Druck wird zu groß: Alice zieht sich in einen Kaninchenbau des Wunderlandes zurück und begegnet dort verschiedenen Figuren, die ihr Ratschläge zum Umgang mit Zeit, Körper und gesellschaftlichem Rollenverständnis geben.
Die Inszenierung ist künstlerisch äußerst kreativ und technisch beeindruckend umgesetzt, das Publikum ist von Beginn an gefangen. Die schillernden „Irren“ erklären Alice, wie der Hase läuft. Somit fungieren der verrückte Hutmacher, die Grinsekatze, die Puppe, der Siebenschläfer, Dideldum, Dideldei und die Raupe als Spiegel unserer eigenen Realität: Wie sehr lassen wir uns von äußeren Stimmen antreiben und formen? Am Ende steht Alice vor Gericht – und wird schuldig gesprochen. Schuldig, weil sie es allen recht machen wollte und dabei sich selbst verloren hat?
Ein rätselhafter, inspirierender Theaterabend mit herausragenden Spielerinnen – voller Energie, Tiefgang und Mut zum Eigenen. Gänsehautmomente!
D. Meyer-Bender, StD`in